Der Kattowitzer Wolkenkratzer
  • Bauzeit: 1931-32
  • Architekt: Tadeusz Kozłowski
  • Konstrukteur: Stefan Bryła

Wenn Kattowitz das polnische Chicago war, dann ist dieser "Wolkenkratzer" sein Symbol. Sein Eckturm hat 14 Stockwerke; ein Wolkenkratzer sähe heute anders aus. Doch das Gebäude war zur Bauzeit Anfang der 1930er Jahre das höchste Gebäude Polens und bot den BewohnerInnen großen Komfort: drei Fahrstühle und einen Müllschacht.

Aufbruchstimmung in Stahlbeton gegossen

Als heutige Betrachterin braucht es ein wenig Fantasie und historisches Hintergrundwissen, um zu verstehen, wie innovativ dieser Bau 1931/1932 war. Der Autor Witold Kłębkowski schrieb damals: "Schlesien, der amerikanischste Teil Polens, hat andere Gebiete [...] überholt. Hier ersteht das erste mehrstöckige Gebäude, eines der höchsten Europas. Stahl bildet sein Skelett; nicht verwunderlich, dass Schlesien – die Heimat polnischen Stahls – als erstes Stahlskeletthochhäuser baut."

Das Eckgebäude, das Tadeusz Kozłowski entwarf und Stefan Bryła konstruierte, beeindruckt durch seine expressiv gegliederte, von Ecken und Kanten geprägte Fassade. Es gilt wegen seines avantgardistischen Funktionalismus bis heute als „Ikone der Kattowitzer Moderne der Zwischenkriegszeit“. Allerdings ist ein wichtiger Unterschied zu bedenken: Der Putz des Gebäudes war zur Entstehungszeit sandfarben, nicht durch den Kohleabbau oberschlesisch-dunkelgrau gefärbt wie heute.

Für das Fundament und die tragenden Wände wurde Stahlbeton verwendet, der Rest wird von einem Stahlgerüst getragen. Die revolutionäre Konstruktionsleistung wird deutlich, wenn man bedenkt, dass Ende der 1920er Jahre zunächst ein Test-Hochhaus mit sieben Stockwerken an der ul. Wojewódzka gebaut wurde.

Wohnungen für die neue Hauptstadt Schlesiens

Seit 1922 war Kattowitz die Hauptstadt der neu geschaffenen Woiwodschaft Schlesien. Die Angestellten der Ämter und Behörden sowie die vielen Arbeiter der prosperierenden Industrie- und Tagebaubetriebe brauchten Wohnraum. Doch Stollen und Schächte unterhöhlten die Stadt vielerorts, so dass die Baufläche der Stadt beschränkt war. Da also nichts näher lag, als in die Höhe zu bauen, entschied das Finanzamt der Stadt, einen Gebäudekomplex an der Kreuzung der ul. Żwirki i Wigury 15/17 (damals ul. Zielona) und der ul. Skłodowskiej-Curie (damals ul. Wandy) zu errichten: an der Ecke das Hochhaus mit Wohnungen, rechts und links davon die zwei sechs und siebenstöckigen, als Bürogebäude genutzte Seitenteile.

Dieser Bau war zudem zukunftsweisend für die Eisenhüttenindustrie, deren Gewerkschaft einen Film über die Errichtung drehte. Man erhoffte sich einen Durchbruch des Baustils und damit einen Aufschwung für die schlesischen Hütten.

Dachterrasse, beste Lage und Fahrstühle

Die BewohnerInnen der 36 Wohnungen des Hauses waren in der ersten Zeit ausschließlich MitarbeiterInnen des Finanzamts. Viele hatten einen Balkon; alle konnten die Dachterrasse nutzen. Damit die drei Lifte und die Heizung möglichst immer funktionierten, lebte der Hausmeister im obersten Stockwerk.

Nach dem Krieg wohnten in dem Gebäude vor allem Schriftsteller wie Kalman Segal und Bolesław Lubosz sowie Schauspieler und Regisseure des Schlesischen Theaters, unter anderem Gustaw Holoubek und Kazimierz Kutz. Ab den 1960er Jahren mussten die BewohnerInnen auf Komfort verzichten: Die Fahrstühle wurden entfernt. Im benachbarten Bürogebäude funktioniert jedoch weiterhin der Paternoster-Aufzug.

Jana Fuchs

Literatur:

  • Kłębkowski, Witold, in: Architektura i Budownictwo, nr. 6, 1932, zitiert nach: Oslislo, Zofia: Katowicka Moderna 1927-1939. Katowice Modernist Architecture 1927-1939, Zabrze 2012.
  • Oslislo, Zofia: Katowicka Moderna 1927-1939. Katowice Modernist Architecture, Zabrze 2012.
  • www.wiezowce.katowice.pl/historia.html
Wohnhaus der Eisenbahndirektion
  • Architekt: Tadeusz Michejda
  • Straße: ul. Słowackiego 41/43
  • Erbauungszeit: 1929–1931

Wir schreiben das Jahr 1929. Nördlich der Eisenbahngleise, inmitten niedriger Mietshäuser, begann man mit dem Bau des in dieser Gegend ersten siebenstöckigen Hochhauses – die nächsten Geschosse moderner Wolkenkratzer wurden in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtet.

Nächste Haltestelle: Moderne

In Auftrag gegeben hatte das Gebäude die polnische Eisenbahndirektion, bekannt für ihre Vorliebe für klassizistische Formen, die Macht und Stabilität verkörpern sollten. Diesmal hatte sie beschlossen, sich nicht gegen die Moderne zu sträuben. Zwei Jahre später triumphierten die halbkreisförmigen Balkone und gläsernen Veranden des neu entstandenen Gebäudes über die Nachbarbauten aus dem 19. Jahrhundert, deren Fassaden mit stukkierten Gesimsen, Kartuschen, Putten und anderem – von der Moderne verachteten – unnützem Dekor überzogen waren. Das neue Gebäude hingegen ziert die schlichte, sich wiederholende Rhythmysierung durch Fenster und Balkone sowie die solide Ausführung. Das Wohnhaus zeichnete sich vor den umgebenden Bauten nicht nur durch seine Höhe, sondern durch die Bearbeitungsweise der Fassaden aus. Getreu der modernen Stadtplanung richtete man die Frontfassade an der Fahrbahn aus und ließ dazwischen Platz für eine kleine Grünanlage.

Bewohner und Bauherr

Für die anspruchsvollen Bewohner, die Beamten der Eisenbahndirektion, wurden Ein-, Drei- und Vierzimmerwohnungen geschaffen. Jede Wohnung ist nach logischen Gesichtspunkten aufgeteilt, mit Platz für Kinder und Eltern, mit einem Arbeits- und Gästezimmer, einer Küche, einem Bad und einem Wintergarten. Der schlesische Architekt Tadeusz Michejda hatte das Gebäude als Inbegriff des Funktionalismus in der Wohnarchitektur entworfen, von dem die Bewohner der benachbarten Mietshäuser nur träumen konnten. Der Eindruck der Modernität des Hochhauses ist während der folgenden Renovierungen seiner Fassaden und den Umbau dieses Teils der Stadt ein wenig verblasst. Das siebengeschossige Gebäude ist nun nicht mehr das höchste in der Gegend, und der Putz der dunkelgrauen Fassade fesselt den Blick nicht gerade. Gegenwärtig ist die riesige Baustelle nebenan eindrucksvoller, wo der neue Bahnhof entstehen soll.

Małgorzata Popiołek, aus dem Polnischen von Ariane Afsari

Schlesisches Museum
  • Architekt: Karol Schayer (1900–1971)
  • Bauzeit: 1936–1939
  • Baukorpus: Stahlkonstruktion, siebengeschossige, aufgeständerte Brückenkonstruktion über die ul. Dąbrowski
  • Interieur: Ausstellungsräume durch Schiebewände variabel (bis zu einer Fläche von 60 mal 8 Metern), lichtdurchflutet, Obergeschoss mit opaken Oberlichtern, automatische Überwachungsmodule für Luftfeuchtigkeit und Staubwerte

 

Offiziell entstand das Schlesische Museum im Jahr 1929. Es wurde ins Leben gerufen durch das Schlesische Parlament, den Sejm.

Moderne und Museum

Der Entwurf für das Gebäude stammte von Karol Schayer, der geplante Bau galt damals als einer der modernsten in Europa. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1936 und waren 1939 abgeschlossen. Das Gebäude wurde jedoch nie offiziell in Betrieb genommen. Die für den Frühling 1940 vorgesehene Eröffnung fand aufgrund des Kriegsausbruchs nie statt.

Abriss einer Ikone der Moderne

Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besetzung des polnischen Teils Oberschlesiens ließen die Nationalsozialisten das Gebäude in den Jahren 1941–1945 abreißen. Diese Arbeit mussten Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau verrichten. 
Der Großteil der Sammlung wurde zerstört oder geraubt, die Reste verbrachte man nach Beuthen, in das dortige Landesmuseum (heute: Muzeum Górnośląskie).

Architektur und Politik

Die Nazis sahen in dem Gebäude ein Symbol des Polentums. Es hatte die Form eines Denkmals auf dem Grundriss eines stilisierten Adlers, dem polnischen Wappentier. Es symbolisierte den jahrhundertelangen Kampf des polnischen Volkes in Oberschlesien um die Aufrechterhaltung seiner Nation und die Wiederherstellung des gemeinsamen staatlichen Lebens in einem unabhängigen Polen. Ziel des Museums war es, an die polnische Kultur heranzuführen, um in der Bevölkerung das Gefühl der staatlichen Zugehörigkeit zu erwecken. Das Museum sollte die Bedeutung der neuen schlesischen Woiwodschaft zeigen und ihren kulturellen und zivilisatorischen Beitrag zum polnischen Staat betonen. Es sollte mit seiner Ausstellung beweisen, dass Oberschlesien polnisch ist, während das Landesmuseum in Beuthen, nur zwanzig Kilometer von Katowice entfernt, zu belegen hatte, dass Oberschlesien deutsch ist ...

Unwiederbringlicher Verlust 

Hätte es den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, wäre das Schlesische Museum damals das modernste Museum in Polen gewesen. Das Gebäude war bahnbrechend für den Weg Oberschlesiens in eine moderne Zukunft und ein Beweis dafür, dass die polnische Kultur in Oberschlesien sich nicht auf die Volkskultur beschränkt.

Izabella Kazejak

Literatur:

http://www.muzeumslaskie.pl/o-muzeum-historia.php

http://www.jonecko-arch3d.at/praesent-05-museum.html

Anna Syska „Muzeum, którego nie ma“ (www.bauwelt.de/sixcms/media.php/829/10823032_ad98693678.pdf)

Schlesisches Parlament
  • Adresse: Jagiellońska 25, 40-032, Katowice
  • Erbauungszeit: 1925-1929
  • Räume: 634
  • Fenster: 1.300
  • Architekten: Ludwik Wojtyczko, Kazimierz Wyczyński, Piotr Jurkiewicz, Stefan Żeleński

Im Jahr 1923 war der Krakauer Architekt Władysław Ekielski Redakteur der Zeitschrift Architekt. Ein Heft dieser Zeitschrift kostete damals 15,000 polnische Mark. Es war das letzte Jahr, in dem man in dieser Währung dafür zahlen konnte. Infolge der ein Jahr später durchgeführten Währungsreform wurde die polnische Mark durch den polnischen Złoty ersetzt. Die Änderung des Namens der Währung, welcher traditionell mit der preußischen Teilungsmacht in Verbindung gebracht wurde, war nur ein Schritt von vielen, um die Nationalität des wieder entstandenen Polnischen Staates zu unterstreichen.

Schlesische Autonomie innerhalb Polens

In Oberschlesien sollte das Gebäude des Schlesischen Sejms, also des Schlesischen Parlaments, in Katowice zum Symbol des Polentums werden – ein Gebäude, welchem die VI. Ausgabe der Zeitschrift Archtitekt gewidmet war. Die von der zentralstaatlichen polnischen Verwaltung unabhängigen Ressorts arbeiteten auf der Grundlage des Gründungsstatuts der Woiwodschaft Schlesien. Dieses sah in Oberschlesien eine autonome Legislative – den Schlesischen Sejm – sowie eine unabhängige Exekutive – den Schlesischen Woiwodschaftsrat – vor. Das Statut aus dem Jahr 1920 sollte die Bewohner des umstrittenen Gebietes Schlesien davon überzeugen, für die Zugehörigkeit zu Polen zu stimmen. Jedoch entstand parallel in Berlin ein ähnliches Dokument, welches die Bewohner Schlesiens  dazu verleiten sollte, sich für die Zugehörigkeit zu Deutschland auszusprechen.

Der Wettbewerb für den Neubau

Für den Neubau des Schlesischen Sejms wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem die die Bedingungen, die das siegreiche Projekt erfüllen musste, ausführlich beschrieben wurden; die wichtigste lautete: „Der gotische Stil ist ausgeschlossen“. Das Gebäude des Sejms konnte nicht im nationalen Stil der Deutschen gebaut werden – so wie der Name der Währung nicht an die Deutschen erinnern durfte.

Mit dem ersten Preis des Wettbewerbes wurde die Arbeit Nr. 45 (mit 8 von 12 Stimmen der Jury) ausgezeichnet, die von Krakauer Architekten entworfen wurde. Kurz nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Wettbewerbes starb der Hauptarchitekt des Projektes, Kazimierz Wyczyński, an einem Herzinfarkt. Für die Planungs- und Ausführungsarbeit wurde der Krakauer Architekt Ludwik Wojtyczko angestellt, ein Kollege Władysław Ekielskis von der Zeitschrift Architektur.

Rund ums Gebäude

Die Innenräume nahmen insgesamt eine Fläche von 5.000 Quadratmetern ein, von denen das Parlament lediglich 1.520 Quadratmeter umfassten. Mit einem Volumen von 161.000 Kubikmetern beherbergt der Bau 600 Räume, besitzt 1.300 Fenster, die Gesamtlänge der Korridore beträgt 6 Kilometer, der Umfang eines Korridors auf jeder Etage beläuft sich auf etwa 400 Meter. Er wurde zudem in ein repräsentatives, im modernen Stil gestaltetes Stadtviertel eingebettet, das zum Aushängeschild der Woiwodschaft wurde. In der Nachbarschaft des Schlesischen Sejms befanden sich das Schlesische Museum nach einem Projekt von Karol Szajer, die zentralen staatlichen Behörden und viele weitere bedeutende Gebäude bzw. Institutionen.

Mit diesem Gebäude des Sejms sind viele Geschichten verbunden: über den Marschall (Vertreter der Selbstverwaltung) und den Woiwoden (Vertreter der Regierung), die sich untereinander nicht vertrugen; über das Becken, in welchem der Schlesische Staatsschatz im Keller versenkt werden würde, falls ein Unbefugter ihn öffnen sollte; über die unterirdischen Korridore, die zum Platz Karol Miarki führen; über die Möbel jener Epoche, die schließlich in das Schlesische Zentrum für Kulturerbe gelangten; über das Geheimnis, weshalb in der Zeit der deutschen Okkupation darauf verzichtet wurde, die Initialen RP, die für die Republik Polen (Rzeczpospolita Polska) standen, vom Fries zu entfernen; über den Marmorsaal, den Albert Speer auf Wunsch Adolf Hitlers wie die Reichskanzlei gestaltete und der später als solche in der polnischen Fernsehserie „Sekunden entscheiden“ zu sehen war, über den außergewöhnlichen Paternosteraufzug, der nie anhält und viele weitere ...

Schon bald soll das Gebäude des Schlesischen Sejms, welches aus der Sicht Schlesiens ebenso wie ganz Polens so wichtig ist, als Geschichtsdenkmal anerkannt werden.

Anna Koziol

Bildnachweis:

Anna Syska, Agnieszka Woźniakowa: Architektura narodowa w formie i treści. Gmach Urzędu Wojewódzkiego i Sejmu Śląskiego w Katowicach, online hier eingesehen.

Zur Architektur des Schlesischen Sejms

Nationale Manifestationen in symbolischen Ausdrucksformen

Die Architektur des Gebäudes, in welchem sich der Schlesische Sejm – also das Parlament –, das Woiwodschaftsamt sowie die Wohn- und Arbeitsräume des Marschalls und des Woiwoden befanden, diente in erster Linie dazu, die staatliche Zugehörigkeit des umstrittenen Gebietes zu Polen zu manifestieren.

Symbol des Polentums

Ähnlich wie zahlreiche andere Bauten der ersten Jahre nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit reiht sich der Schlesische Sejm mit seiner Architektur in den Stil eines klassizisierenden Barock ein. Damit bezog man sich auf die Ansicht, „der Barock sei ein mit dem Polentum zu assoziierender Stil,“ die „in Schlesien bereits vor dem Ersten Weltkrieg vertreten“ wurde. (Dorota Głazek: Nationale Akzentsetzung im öffentlichen Raum: Zur Architektur der oberschlesischen Industriestädte vor und nach dem Ersten Weltkrieg, in: Andreas R. Hofmann und Anne Veronika Wendland (Hg.): Stadt und Öffentlichkeit in Ostmitteleuropa 1900–1930, Stuttgart 2002, S. 57–67, hier: S. 64)

Mit seinen vier Risaliten erinnert das Sejm-Gebäude stark an eine Festungsanlage. Die palastähnliche Monumentalität des vierflügligen Blocks wird zusätzlich durch Pilaster betont, die die Fassaden des Gebäudes untergliedern. In dieser Wirkung findet wohl das Bedürfnis nach einer Verteidigungsbereitschaft des gerade erst als unabhängiger Staat wieder entstandenen Polens seinen Ausdruck.

Nationale Stilelemente

Zahlreiche Stilelemente des Gebäudes geben in eindeutiger, zum Teil aber nicht für jeden erkennbarer Weise Auskunft über die nationale Zugehörigkeit des Gebietes. Die Kapitelle der die vorspringenden Fassaden strukturierenden Pilaster zeigen die Wappen von elf schlesischen Städten, während die Pilaster der fliehenden Fassadenteile von Legionsadlern gekrönt werden. Der die Pilaster verbindende Fries des Gebäudes trägt die Initialen RP für Rzeczpospolita Polska, Republik Polen. Die Attika der Hauptfassade ziert ein Flachrelief mit dem polnischen Staatswappen.

Auch im Inneren des Gebäudes wurde durch dekorative Elemente versucht, dem Gebäude einen polnischen Charakter zu verleihen. Im dem Sejm vorbehaltenen Gebäudeteil befindet sich das repräsentative Vestibül, das nach oben durch eine Kuppel abgeschlossen wird. Ihre zwölf Innenflächen sind ebenfalls mit den Wappen schlesischer Städte bedeckt. Diese sind jeweils von Ornamenten umgeben, die an Góralen-Stickerei erinnern. Die Flachreliefs unterhalb der Innenausmalung der Kuppel zeigten für den Bergbau typische Motive sowie Menschen in schlesischen Volkstrachten. Im halbkreisförmigen, an ein Amphitheater erinnernden Saal des Sejms, der Vorbild für den Warschauer Sejm war, befand sich seinerzeit ein Kelim mit dem polnischen Staatswappen, umgeben von  schlesischen Stadtwappen.

Das Gebäude während des Zweiten Weltkrieges

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude von den Nationalsozialisten als Sitz des Gauleiters des 1941 gegründeten Gaus Oberschlesien genutzt. Die monumentale Architektur des Gebäudes schien paradoxerweise den Bedürfnissen der nationalsozialistischen Verwaltung des Gaus genau zu entsprechen. Nur das Wappen der Attika, die Flachreliefs im Inneren der Kuppel und der Kelim aus dem Saal des Sejms wurden entfernt. Die versteckten Hinweise anderer dekorativer Elemente auf die nationale Zugehörigkeit des Gebietes zu Polen wurden offensichtlich nicht verstanden. So konnten diese bis heute unbeschädigt überdauern.

Vollendung und  Ergänzung eines Gesamtarrangements

Gegenüber der Nordfassade des Schlesischen Sejm-Gebäudes wurde im Jahr 1993 das bereits vor dem Zweiten Weltkrieg von dem kroatischen Bildhauer Antun Augustinčić geschaffene Denkmal Józef Piłsudskis enthüllt. Der deutsche Überfall auf Polen und die darauffolgende Zeit der Besatzung sowie anschließend das kommunistische Regime hatten eine Überführung des Denkmals für Jahrzehnte unmöglich gemacht. Erst nach Ende der Volksrepublik Polen konnte es nach Katowice gebracht werden und erinnert heute an Piłsudskis Verdienste für die polnische Unabhängigkeit.

Ein weiteres Denkmal auf dem Platz des Schlesischen Sejms gegenüber der Hauptfassade des Gebäudes ehrt seit dem Jahr 1999 den politischen Gegenspieler Piłsudskis – Wojciech Korfanty – als wichtigsten Protagonisten des Kampfes für die Zugehörigkeit Oberschlesiens zu Polen.

Die beiden Denkmäler erinnern jedoch nicht nur an eine längst vergangene Zeit. Ihre Errichtung in den 90er Jahren zeugt zugleich davon, dass hier nach dem Ende der Volksrepublik Polen an das Erbe der II. Republik – das Polen der Zwischenkriegszeit – angeknüpft wurde.

Eva Spanka

Literatur:

  • Anna Syska, Agnieszka Woźniakowa: Architektura narodowa w formie i treści. Gmach Urzędu Wojewódzkiego i Sejmu Śląskiego w Katowicach, online hier eingesehen.
  • Barbara Szczypka-Gwiazda: Architektura i urbanistyka autonomicznego województwa śląskiego w obrębie II Rzeczpospolitej 1921-1929, w: Ewa Chojecka, Jerzy Gorzelik, Irma Kozina, Barbara Szczypka Gwiadza  (Hg.): Sztuka Górnego Śląska od średniowecza do końca XX wieku, Muzeum Śląskie, Katowice 2009, S. 327-346.
  • Dorota Głazek: Nationale Akzentsetzung im öffentlichen Raum: Zur Architektur der oberschlesischen Industriestädte vor und nach dem Ersten Weltkrieg, in: Andreas R. Hoffmann und Anne Veronika Wendland (Hg.): Stadt und Öffentlichkeit in Ostmitteleuropa 1900 – 1930, Stuttgard 2002 S. 57-67.

Zitat stammt von hier.

Die Christkönigskathedrale in Kattowitz
  • Bauzeit von 1927 bis 1955
  • klassizistischer Bau mit 64 Meter hoher Kuppel - Innengestaltung: polnische Dekorationskunst
  • Hauptattraktion: goldfarbenes Wandmosaik

Das majestätische Bauwerk beeindruckt die Besucher, dabei hätte es ursprünglich noch 46 Meter höher und innen reich geschmückt sein sollen.

Wie alles begann

Lange musste man suchen – und doch überzeugte auch der Entwurf des jungen Zygmunt Gawlik nicht vollkommen, den er im für die Christkönigskathedrale ausgeschriebenen Wettbewerb 1925 einreichte. Aber der Bau einer Kathedrale war im Zuge der neuen Grenzziehung und im Zusammenhang mit der Gründung der Diözese Kattowitz notwendig geworden. So entschied man sich, Gawlik eine Chance zu geben und stellte ihm mit Franciszek Mączyński einen erfahrenen Architekten zur Seite. Der endgültige, überarbeitete Entwurf ließ bereits auf dem Papier erahnen, welch atemberaubend monumentales Bauwerk Katowice überragen sollte. Die Kathedrale würde mit einer Grundfläche von 89 x 53 Metern und einer 106 Meter hohen Kuppel gigantische Ausmaße annehmen.

Verzögerungen in der Bauzeit

Der Grundstein des neuen Gotteshauses wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 4. September 1932 feierlich gelegt. Mit finanzieller Unterstützung der Woiwodschaft begann man tatkräftig. Doch die Arbeiten gerieten immer wieder ins Stocken, weil man Änderungen am Entwurf vornahm. Die pompöse Inneneinrichtung wurde im Einklang mit der polnischen Dekorationskunst sachlicher gestaltet. Nach der Bauverzögerung durch den Zweiten Weltkrieg war im nunmehr kommunistischen Polen ein die Stadt überragender Kirchenbau unerwünscht. Zwar wurde der Grundriss vergrößert, doch die alles überspannende Kuppel auf 64 Meter gestutzt . Nach zähen 23 Jahren Bauzeit konnte die Christkönigskathedrale am 30. Oktober 1955 endlich geweiht werden.

Ein beeindruckendes Bauwerk

Steht man heute vor der Kathedrale, erscheint sie durch ihren vorgesetzten Portalbereich mit Freitreppe und Kolonnade immer noch gewaltig groß. Und man wird die Frage nicht los, wie dieser Bau mit der schlichten Pendentifkuppel wohl mit 106 Metern Höhe gewirkt hätte. Im Inneren ist man zunächst fast enttäuscht von den schlichten, weiß verputzten Sandsteinwänden, aufgelockert nur durch den Kapellenumgang. Dann bleibt der Blick unweigerlich am Wandmosaik auf der rechten Seiten hängen. Zirka eine Million winziger, goldfarbener Steinchen bilden ein schillerndes Farbspiel, genau an der Stelle, an der Papst Johannes Paul II. 1983 gebetet hat. Gestiftet wurde es vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger. In der Kathedraleerklingen fünf Glocken und zwei Orgeln.

Symbolkraft für das polnische Volk

Der monumentalen Christkönigskathedrale kam ein herausragender Stellenwert im Prozess der Polonisierung der Stadt zu. Obwohl nicht ganz so pompös wie ursprünglich geplant, spürt man ihre Bedeutung, die der polnische Architekt und Denkmalpfleger Adolf Szyszko (1883–1948) mit folgenden Worten beschrieb: „Die Kathedrale in Kattowitz soll als Symbol für die Kultur und die Stärke des Volkes entstehen. Sie muss vom ewigen Recht Polens auf Oberschlesien Zeugnis ablegen.“

Christiane Dally

Literatur:

Allgemeiner Text zu Katowice

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